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25. Juli, 2017

Europäische Buchenurwälder in Gefahr

Europäische Buchenurwälder in Gefahr – Ende Juni bot sich mir, die für mich als Förster höchst interessante Gelegenheit, mit der Stiftung EuroNatur eine Reise zu den großen Buchenurwäldern Rumäniens zu unternehmen.

Unter dem Begriff „Urwald“ werden Wälder oder Waldökosysteme verstanden, die sich vollkommen oder zumindest weitestgehend vom Menschen unbeeinflusst entwickeln konnten und in denen auch heute noch die natürlichen Prozesse ungestört ablaufen können. Bei dem Wort Urwald denken viele Menschen sofort und fast ausschließlich an den tropischen Regenwald. Zwar machen diese Wälder den größten Anteil an den weltweit vorkommenden Urwäldern aus, doch auch bei uns in Europa gibt es einen ganz speziellen und eben nur hier vorkommenden Urwald – den Europäischen Rotbuchenurwald.

Grund genug, mich auf großartige Waldbilder während unserer Reise zu freuen.

In den beiden Nationalparks RETEZAT und SEMENIC wurden meine Erwartungen erfüllt. Besonders im ca. 350 qkm großen Semenic Nationalpark durchwanderten wir Wälder, in denen nur noch das Auftauchen von Feen und Waldelfen gefehlt hätte, um sich in einem Märchenwald zu fühlen. Riesige bis zu 50m hohe, einem Durchmesser von bis zu 1,5m starke und fast 500 Jahre alte Buchen riefen in mir Erinnerungen an Tolkiens Ents hervor. 500 Jahre, das muss man sich einmal „auf der Zunge zergehen lassen“… ! Wälder, die viele Menschengenerationen überdauerten und sich aufgrund ihrer Ungestörtheit zu stabilen Ökosystemen entwickeln konnten.

Kleinflächig finden sich mächtige, aufgrund des Erreichens ihrer natürlichen Altersgrenze, abgestorbene Baumriesen. Sie werden langsam von Pilzen und Insekten zersetzt, um dann erst teilweise und später komplett zusammenzubrechen. Doch schon im nächsten Frühjahr nutzen tausende Bucheckern die Gunst der Stunde, in diesem von ihrer Urmutter gerissenen Loch zu keimen und in 500 Jahren die nächste Generation der Ents zu bilden. Doch es ist zu befürchen, dass daraus nichts wird!

Einige der Europäischen Buchenurwälder sind zwar schon 2007 und 2011 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt, aber leider noch nicht alle schützenswerten Wälder. Insbesondere die großflächigen und wertvollen Buchenwälder Rumäniens gehörten bisher nicht zum Weltnaturerbe. Bisher???!!!

Seit Juli 2017 sind nach langen und intensiven Bemühungen einzelner Staaten und Naturschutzorganisationen, endlich auch Flächen der rumänischen Buchenwälder der Welterbeliste der UNESCO hinzugefügt. Ein Schritt in die richtige Richtung!

Leider aber stellt die Zugehörigkeit zum UNESCO Welterbe alleine noch keinen wirksamen Schutz dieser Flächen dar. Eine Umsetzung in nationales (Schutz-)Recht durch die jeweiligen Staaten müsste erfolgen. Und insbesondere muss dieser Schutz dann auch konsequent betrieben und überwacht werden. Doch daran mangelt es vielerorts offensichtlich! So unterliegen einige der rumänischen Buchenurwälder schon jetzt europäischem und nationalem Schutz. Manche Gebiete sind Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000, andere sind als NATIONALPARK oder „nur“ als NATURPARK ausgewiesen. Große Flächen dieser einmaligen Wälder sind sogar mit mehreren dieser in Deutschland starken Schutzgebietskategorien belegt.

Doch die Urwälder Rumäniens sind weiterhin in akuter Gefahr! Trotz der verschiedenen Schutzstati, die in vielen anderen europäischen Ländern vermutlich zu einem wirksamen Schutz der Wälder führen würden, fallen in den rumänischen Karpaten unaufhaltsam große Urwaldbereiche den Motosägen zum Opfer. Wirtschaftliche Interessen teilweise ausländischer Holzkonzerne, undurchsichtiges Handeln der forstlichen Verwaltung und fehlende wirksame Kontrollmechanismen staatlicher Stellen, sind offenbar Hauptgründe für die fortschreitende Zerstörung der letzten Urwälder Europas.

Falls Sie mehr zu dem Thema wissen oder sich engagieren wollen, finden Sie hier interessante Informationen:

Save Paradise Forests

 

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